Der Abend hatte eine feste Uhrzeit
Es war kein Programmpunkt, es war eine Uhr. Wenn das Sandmännchen lief, war der Tag vorbei — nicht ungefähr, sondern verbindlich. Danach kam Zähneputzen, und darüber wurde nicht diskutiert.
Millionen Menschen im Osten haben dieselben fünf Minuten gesehen, jeden Abend, jahrzehntelang. Es gibt kaum etwas, das eine Generation so gleichmäßig geteilt hat.
Die erste Sendung lief am 22. November 1959 im Deutschen Fernsehfunk. Der Puppengestalter und Regisseur Gerhard Behrendt entwickelte die Figur in rund 14 Tagen — denn im Westen war ein eigenes Sandmännchen für den 1. Dezember 1959 geplant, und der Osten wollte zuerst da sein.
Zwei Wochen Vorlauf, aus reinem Wettbewerb zwischen zwei deutschen Staaten. Herausgekommen ist die langlebigste Kindersendung des Landes — und eine der wenigen Figuren, die die Wende überstanden haben.