Der Starschnitt an der Zimmertür
Sie war die Zeitung, die man nicht offen auf den Küchentisch legte. Nicht wegen etwas Verbotenem — sondern weil darin Dinge standen, die einen selbst betrafen und die man mit niemandem zu Hause besprechen wollte.
Der Starschnitt war das Geduldsspiel: Woche für Woche ein Teilstück ausschneiden, sammeln, zusammenkleben — und am Ende hing jemand in Lebensgröße an der Zimmertür. Wer eine Ausgabe verpasste, hatte ein Loch im Bein seines Idols.
Die erste Ausgabe erschien am 26. August 1956 mit Marilyn Monroe auf dem Titel, Startauflage 30.000, damals noch als Zeitschrift für Film und Fernsehen. Der erste Starschnitt lief 1959 mit Brigitte Bardot. In den sechziger Jahren eröffnete Dr. Sommer — hinter dem Namen stand Martin Goldstein — seine Sprechstunde.
Ihre höchste Auflage erreichte die Bravo 1991 mit knapp 1,6 Millionen Exemplaren. Ein Heft für Jugendliche, gedruckt in einer Auflage, von der heute jede Tageszeitung träumt.