Der Freitagabend, der eine Adresse hatte
Der Film war nur die Hälfte. Die andere Hälfte war das Gehen: die Regale abschreiten, Hüllen umdrehen, Rückseiten lesen, sich streiten, zurücklegen, wiederkommen. Eine halbe Stunde konnte vergehen, bevor überhaupt eine Entscheidung fiel.
Und dann das leere Fach, wo die Kassette lag, wenn jemand schneller war. Ausgeliehen. Kein Klick, kein Vorschlag, keine zweite Möglichkeit — man nahm etwas anderes mit oder ging ohne.
Die erste Videothek Deutschlands machte 1975 in Kassel auf, aber der Boom kam mit VHS: 1979 wurden in der Bundesrepublik rund 270.000 Videorekorder verkauft, 1983 waren es 1,4 Millionen. 1986 hatte VHS 93 Prozent Marktanteil, um 1990 gab es etwa 9.500 Videotheken im Land.
Zurückspulen nicht vergessen. Das war keine Bitte, das stand als Aufkleber auf der Hülle, und es gab Läden, die dafür Geld verlangten.